1904:

In einem größeren Rahmen wie das 10-jährige Jubiläum wurde das 20-jährige gefeiert. Der Verein zählte bereits 220 Mitglieder, die ein enormes Vorbereitungsprogramm zu bewältigen hatten. So zogen über 30 Vereine mit etwa 1300 Personen, von der Bahnhofstraße durch die geschmückten Straßen der Stadt zum Festplatz auf der Lichtnau. Dort wurde mit einem Schauturnen, einem Konzert und viel Volksbelustigung das Vereinsjubiläum begangen, welches in den Hohenzollerischen Blättern (H. B.), dem Schwarzwälder Boten und anderen Zeitungen einen würdigen Beitrag fand: „Am Fuß der Zoller Burg dehnte sich eine weite Zeltstadt aus, aus der heitere Musik und der sang fröhlicher Menschen klang - lustig flatterten Wimpel und freundlich lächelte die nimmer müde werdende Sonne herab auf all das Tun und Schreiben…“

Inmitten des Festplatzes erhob sich eine stattliche Tribüne, ringsum aber bereiteten sich drei große Wirtschaftszelte aus…auch viel fahrendes Volk hatte sich eingefunden und bot besonders der Jugend eine Menge von Vergnügungen.“ (Beitrag der Hohenzollerischen Blätter am 15.08.1904).

Von Wichtigkeit war die Übergabe der neuen Fahne durch den Vorsitzenden des Balingen Turnvereins Herr Wagner. Sie trug die Inschrift „Turnverein Hechingen, 1861 – 1884– 1904“. Auf der Rückseite war das Turnzeichen eingestickt.

An diesen Augusttagen sollen den Überlieferungen nach, der sengenden Sonne wegen, 75 Hektoliter Bier getrunken worden sein. Unter den Weltsensationen auf der Lichtnau war ein Riesenkinematograph zu bewundern, damals noch eine ungeheuerliche Sache. Er wurde von einem Dampflokomobil angetrieben und zeigte u.a. Bilder vom russisch-japanischen Krieg und vom Theaterbrand in Chicago. Von diesem lokalen Großereignis zehrte dann der Turnverein in den folgenden Jahren.

1910: Gründung der Damenriege

In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Schauturnen zu Werbezwecken organisiert, der Turnverein erlebte einen merklichen Aufschwung:

„Erfreulicherweise hat die turnerische Betätigung der hiesigen Jugend durch Anschluss an den Turnverein eine ganz bedeutende Erweiterung erfahren. Der hohe Wert, welcher mit regelmäßigem Turnen insbesondere für die männliche Jugend verbunden ist, wird allmählich in der Bevölkerung immer mehr verstanden.“ (H. B. vom 08.04.1910)

Dabei wurde das Turnen immer stärker in Verbindung mit einer sogenannten „Volksertüchtigung“ gebracht. Es sollte aber nicht allein bei der Körperertüchtigung für die künftigen „Vaterlandsverteidiger“ bleiben, auch die Damen forderten ihr Recht auf umfassende sportliche Betätigung:

„Auch die schulentlassene weibliche Jugend hat Gelegenheit, sich am Frauenturnen zu beteiligen, welches bestimmt kommende Woche eröffnet wird“ (H. B., 08.04.1910).