In ihm konnten die Grundlagen und Finessen der Sportdisziplin, über den schmalen Schulunterricht hinaus, vermittelt werden. So kamen und gingen halbe Klassen der Oberstufe, mindestens bis zum Abitur, für das man in Sonderschichten ebenfalls beim TVH gut trainieren konnte. Basketballtraining beim TVH - Sportabi - gute Abschlussnoten waren eins!

Genau so willkommen waren Gäste und andere Schnuppersportler. Im Rahmen des Schüleraustauschs mit den USA kamen legendäre High School-Spieler, Mädchen wie Jungs, aus dem Mutterland des Basketballs nach Hechingen. Sie vermittelten besonders authentisch – ohne unbedingt sportlich zu glänzen – ihre Art des Basketball-Feelings unterm Zoller.

Die 90er oder GIVE AND GO

In der großen Welt des Basketballs sind die 90er unverrückbar mit zwei Phänomenen verbunden: Michael „Air“ Jordan und der Siegeszug der NBA als Sport- Show um die ganze Welt. Kein Jugendlicher, der nicht in dem Nummer 23-Shirt der Chicago Bulls zum Training kam oder „wenigstens“ mit dem Vorzeigedeutschen Detlef Schrempf der Seattle Supersonics sympathisierte.

Im Hechinger Umfeld der frühen 1990er machten sich deutliche Veränderungen in der Zusammensetzung der trainierenden Mannschaften bemerkbar. Zum einen wuchs die Zahl der Teilnehmer, Basketball boomte, die Altersspanne wurde immer größer. Aus diesem Grund wurde neben dem traditionellen 18Uhr-Training in der Kreissporthalle für Kinder ein zweiter Termin für Jugendliche ab 16 Jahre in der Realschulhalle angeboten. Trotz widriger Umstände in der Hallennutzung wurde er mit Begeisterung angenommen.

Andererseits veränderte sich die Zusammensetzung selbst. Ein Hauch der Geschichte streifte die Abteilung und veränderte ihr Gesicht. Die Flüchtlings- und Migrationsbewegungen der 90er Jahre (Balkankriege, Afrika) waren bis in die Abteilungen des Sportvereins spürbar. Dazu kam der politische Zusammenbruch der Sowjetunion mit den Folgen großer Aus- und Übersiedlerzahlen aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks.

So fanden immer mehr Jugendliche und junge Männer den Weg in das wöchentliche Training, denen man die Herkunft aus den Asylbewerberheimen in der Runkellen Straße und der First-Straße unschwer ansehen konnte.
Auf der Suche nach Freizeitmöglichkeiten, Kontakten und etwas Abwechslung bot der Sport eine der wenigen kleinen Fluchten aus dem zu Untätigkeit verdammten Alltag der Asylsuchenden. Die offene Struktur der Abteilung kam diesem Bedürfnis sehr entgegen und nahm vorweg, was heute so beschrieben wird: „Sport bietet Migranten einen einfachen Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe und Gratifikation, unabhängig von sprachlich-kulturellen Kompetenzen.
Es entwickeln sich (im Verein) soziale Nähe, persönliche Bindungen ebenso ... wie gegenseitiges Vertrauen und Gefühle der Zusammen- und Zugehörigkeit. Dies bildet die Basis für solidarisches, integratives Handeln, auch über das Vereinsleben hinaus“ (in D. Weber, Sport und Integration, 2008).

Die jungen Sportler, die aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Hechingen und Umgebung kamen, waren ebenfalls eine große Bereicherung für unsere Disziplin. Sie waren schon als Kinder bestens ausgebildet und gaben Anschauungsunterricht in ihrer sprichwörtlichen (damals jugoslawischen) Basketballkultur.
Der Austritt von Übungsleitern und der chronische Aderlass bei den Spielern wegen Schulabschluss, Wehrdienst, Ausbildung oder konkurrierenden Freizeitinteressen („Freundin“) führten 1997 dazu, dass der Trainingsbetrieb für ein knappes Jahr ruhte. Danach ging es 1998 mit neuem Elan in der Realschulhalle weiter. Der Termin in der Kreissporthalle wurde vorübergehend an die Leichtathleten abgetreten.